![]() |
Kun-Tai-Ko Karate Honbu-Dojo e.V.Mitglied der IMAF-JapanKontakt : 089 - 271 51 48 (Walter Smigielski) |
|
|
|
IaidoWas ist Iaidô?von Nils Hedstrand
Iaidô bedeutet "der Weg der Seinsharmonie", d.h. die Kunst des Erlangens von Einheit zwischen Körper und Geist. Dies bringt Geistesgegenwart (Zanshin), was den Gegner von seinem intendierten Angriff abschreckt und es ermöglicht, das Schwert in der Scheide zu lassen, was den Frieden sichert.
Das Iaidô wurde aus dem Kenjutsu ("Schwertkunst"), der Fechtkunst der japanischen berittenen Krieger oder Ritter, den Samurai (wörtlich: "Diener") entwickelt. Ursprünglich als Selbstverteidigung mit Schwert gegen einzelne Überraschungsangriffe, vor allem von Räubern, konzipiert, mit dem Ziel, mit einem einzigen Streich direkt nach dem Ziehen des Schwertes den Angreifer zu töten (Iaijutsu), verlor das Iaidô im Laufe der Friedenszeit des Tôkugawa-Shôgunats (Militärdiktatur seit 1603) immer mehr seinen kämpferischen, lebenserhaltenden Aspekt und wurde in ein ausgebautes System körperlicher und geistiger Schulung umgewandelt, mit der Aufgabe, dem Schüler physische Stärke, innere Ruhe und Konzentrationsfähigkeit samt Respekt vor den Mitmenschen zu vermitteln. Die Übungen wurden in festen Bewegungsschemata oder Formen (Kata, wörtlich: "Modell"), festgehalten, die Szenarien verschiedenartiger Angriffssituationen simulierten: Kampf gegen mehrere Gegner, Befreiung aus Festnahme, Kampf in engen Gassen, auf Brücken, in Treppenstiegen, im Dunkel usw., deren ursprünglichen Ziel es war, ein komplettes Selbstverteidigungssystem mit dem Schwert zu bieten. Der Umwandlung der Aufgaben der Kriegerklasse (Bushi, wörtlich: "Mann des Krieges") in die eines feudalen Beamtentums entsprach die Entwicklung des Iaidô von Verteidigungsform zur Kunstform. Genauso wie früher von den Kriegern wurden auch von den neuen Beamten nützliche persönliche Qualitäten erwartet, wie Loyalität, Mut, Geduld und Genauigkeit, Eigenschaften die als mögliches Ergebnis einer Iaidô-Ausbildung angesehen wurden. Die Erfordernisse hatten sich aber dann natürlich grundlegend gewandelt, was Yukio Mishima (1925 - 1970), nicht wahrnehmen wollte, und sein Freitod durch Seppuku (Harakiri) muss als sinnloser Anachronismus bewertet werden. Tatsächlich wurde das Bushidô (wörtlich: "Weg des Mannes des Krieges"), die Ethik der Samurai, mit den kriegerischen Tugenden der Loyalität, Ehre, Härte und Todesverachtung - und Milde - erst nach der Zeit der Bürgerkriege formuliert und in Werken wie dem Hagakure von Yamamoto Tsunetomo oder das Budô Shoshinshû des Daidôji Yûzan (beide frühes 18. Jahrhundert) festgehalten.
Heute wird das Iaidô meistens aus gesundheitlichen, ästhetischen, meditativen und aus Spaßgründen getrieben. Das Training stärkt den Körper, wirkt gegen Rücken- und andere körperliche Probleme und gegen Muskelverspannungen und Stress. Iaidô ist als Kunstform anzusehen, und ein wichtiges Ziel der Übung ist die Schönheit der Form. Durch die ganze Entwicklung der japanischen Schwertkunst hat sie auch aus dem aus China stammenden Zen-Buddhismus (chin. Chan, Sanskr. Dhyana, wörtlich "Versenkung", d.h. Meditation) geistigen Inhalt geschöpft. Diese Meditationsübung, die auf eine unmittelbare Erfahrung der Wirklichkeit abzielt, ist für den Interessierten im Iaidô wiederzufinden. Nach langem Üben gelingt es dem Ausübenden ohne Nachdenken die Form auszuführen, und damit in Absichtslosigkeit die Form zu sein. Dies ist ein Moment der Selbstlosigkeit, und wird im Zen als Mushin (Nicht-Geist, wörtlich: "Nicht-Herz") bezeichnet, und ist ein Schritt in Richtung des Satori (Erleuchtung, wörtlich: "Erwachen"). Lesenswerte Klassiker die den Schwertkampf mit dem Zen-Buddhismus direkt verbinden sind die Werke des Zen-Mönchs Takuan Sôhô (1573 bis Mitte des 17. Jahrhunderts) und das Heihô Kaden Sho des Yagyu Munenori (1571 - 1646).
Spiritualität, Schönheit und Rechtschaffenheit vereinen sich damit im Iaidô. Das Iaidô bietet weiter einen Einblick in eine jahrhundertealte asiatische Kulturtradition im Gebrauch eines der schönsten Kunstwerke die je geschaffen wurden, das japanische Schwert (Katana, "Schwert", "Messer", von der Form her eher ein zweihändiger Säbel). Und schließlich bringt die Praxis des Iaidô sehr viel Freude mit sich, nicht nur durch den reinen Spaß am Training, sondern auch weil man sich durch längeres, intensives Üben zu einem ausgeglichenen, fröhlichen Menschen entwickelt.
Das Iaidô besteht aus vier Hauptmomenten: das Ziehen (Nukitsuke, "ziehen und treffen"), der Schnitt (Kiritsuke, "schneiden und treffen"), das Abschütteln des Blutes von der Klinge (Chiburi, "Blutabschütteln") und das Zurückstecken der Klinge in die Scheide (Nôtô, "Schwert zurückbringen"). Dazu kommen Blockierungen samt verschiedene Positionen und Schritte. Wichtiger Teil des Iaidô-Systems ist auch die Etikette (Reigi), bei der die Verbeugung (Rei) und die Schwertpflege die wichtigsten Aspekte sind. Man verbeugt sich vor der vorderen Wand (Shomen), vor dem Lehrer (Sensei) und vor dem Schwert (Tô). Geübt wird mit einer stumpfen Alu-/Zinkklinge (Iaitô), für Anfänger mit einem Übungsschwert aus Eiche oder anderen Holzarten (Bokken, Bokutô, "Holzschwert"). Das Iaidô wird in Jacke (Haori) und Hose (Hakama) ausgeführt. Dazu trägt man einen Gürtel (Iai-Obi). Das Keikogi (Übungskleidung) sollte schwarz, weiß oder dunkelblau sein. Es wird barfuss trainiert. Die Schwertbänder sollen schwarz sein.
Unsere Schule, das Musô Jikiden Eishin-Ryu ("Unvergleichbare, direkt vermittelte Schule des reinen Herzens") wurde von dem Samurai Hayashizaki Jinsuke Minamoto no Shigenobu (1546/8 - 1621) gegründet. Es hat heutzutage ein Graduierungssystem mit fünf Anfängergraden (Kyû, "Grad") und zehn fortgeschrittenen Graden (Dan, "Stufe"). Für Mitglieder des Verbandes Musô Jikiden Eishin-Ryu Deutschland e.V. besteht die Möglichkeit beim Verbandstrainer Gerald Eisenack 7. Dan Kyôshi Prüfungen abzulegen. Anfänger üben nur äußerlich (omote), Fortgeschrittene sollen innerlich üben. Mit dem ersten Dan sollte die anfängliche Offenheit fürs Lernen durch eine gewisse geistige Festigkeit ergänzt sein. Außer den Kyû und Dan gibt es für hohe Danträger vier Ehrentitel: Renshi (Experte, wörtlich: "abgehärteter Mann"), Kyôshi ("Lehrer"), Hanshi (Vorbild, wörtlich: "Beispiel eines Mannes") und Meijin ("Meister", japanisches Kulturgut). Dazu gibt es den Titel Shihan, der vom administrativ Verantwortlichen eines Verbandes getragen wird, und den Titel Soke (Schuloberhaupt, wörtlich: "Gründer"). Weil das Eishin-Ryu sich mehrmals gespalten hat, hat die Schule mehrere Soke. Der Soke unserer Richtung ist Ikeda Takashi Seiko Soke 10. Dan (Ôsaka), 22. Soke des Eishin-Ryu.
Der 17. Soke, Ôe Masamichi (1852-1927) führte den jetzigen Namen der Schule ein und teilte die Kata-Gruppen in Stufen ein: Shoden (erste Stufe, d.h. Anfängerstufe), Chûden (Mittlere Stufe oder Durchschnittsstufe, d.h. fortgeschrittene Stufe) und Okuden (geheime Stufe, d.h. Stufe für die besonders Eingeweihten). Shoden besteht aus der Gruppe Seiza no Bu ("Gruppe des Standardsitzes", sitzen auf beiden Knien), die zehn Kata in Seiza und eine im Stehen (Nr. 10) beinhaltet. Chûden besteht aus einer Tatehiza-Gruppe, Tatehiza no Bu ("Gruppe des gehobenen Knies", sitzen auf einem Knie) mit einer Kata (Nr. 10) in Seiza. Okuden besteht aus Gruppen von Kata im Stehen (Tachiwaza) und im Sitzen (Iwaza), die aus Sicherheitsgründen geheim gehalten wurden, weil ihre Techniken als besonders wertvoll betrachtet wurden. Dazu kommen die Extra-Gruppen Battôhô no Bu ("Gruppe der Schwertziehenmethoden") und Battôhô no Oku ("Geheime Schwertziehenmethoden"), die im Jahr 1939 vom 20. Soke Kôno Hyakuren eingeführt wurden, mit einer Extra-Kata (Battôhô no Bu Nr. 6) die im Jahr 1974 vom künftigen 21. Soke Fukui Torao Seizan zugefügt wurde, samt die Gruppe Tôhô no Bu ("Gruppe der Schwertmethoden") die aus fünf Kata aus fünf verschiedenen Schulen besteht, die erste aus Eishin-Ryu. Diese Gruppe wurde im Jahr 1956 von Zen Nihon Iaidô Renmei (dem Alljapanischen Iaidôverband) geschaffen.
Battôhô no Bu 1. Juntô sono ichi 2. Juntô sono ni 3. Tsuigekitô 4. Shatô 5. Shihôtô sono ichi 6. Shihôtô sono ni 7. Zantotsutô
Seiza no Bu 1. Mae 2. Migi 3. Hidari 4. Ushiro 5. Yaegaki 6. Ukenagashi 7. Kaishaku 8. Tsukekomi 9. Tsukikage 10. Oikaze 11. Nukiuchi
Tôhô no Bu 1. Maegiri 2. Zengogiri 3. Kiriage 4. Shihôgiri 5. Kissakigaeshi
|
Last Modified: 2007-10-02 |